Markus Maria Winkler

Schauspieler, Sänger, Tänzer

Markus Maria Winkler, Butoh Tanz Performance 2020 in München

Fotos: Olaf Seeger

Butoh, der japanische Ausdruckstanz ohne feste Form. Der Tanz der Finsternis.

Im Rahmen seiner Tanzausbildung für Schauspieler in München, 2001 bis 2011, hat Markus Maria Winkler viele Elemente des Butoh kennengelernt. Inspiriert durch das menschliche Verhalten in der Pandemie 2020 ist es ihm ein Bedürfnis, der neuen Form des menschlichen Umgangs auch künstlerisch Ausdruck zu geben. Gleichzeitig möchte er mit dem Studium des Butoh auch neue Facetten seiner Körperlichkeit und die Erweiterung seiner Darstellungsmöglichkeiten erlangen. Durch die spätere Kombination von Bewegung und Sprache werden sich viele neue interessante Projekte entwickeln, die er in sein bisheriges Repertoire einfließen lassen wird.

 Butoh ist zeitgenössisches japanisches Körpertheater. Butoh ist wild, still und unberechenbar. Butoh ist ein Ventil, um Träume und Emotionen auszudrücken,  die im Alltag keinen Platz finden. Butoh ruft die Erinnerung des Körpers wach. Der Körper hat  seine eigene Weisheit, jenseits vom biografischen Gedächtnis. Der fremde, verfremdete, entfremdete Körper war und ist weiß geschminkt. 

 Butoh-Tanz ist zeitgenössischer Ausdruckstanz, 1959 von den japanischen Künstlern Tatsumi Hijikata und Kazuo Ohno ins Leben gerufen. Ein Tanztheater im radikalsten Sinn, das den Körper ins Zentrum der Gefühle stellt und vom Verstand nicht begriffen werden möchte. Butoh bricht mit allen Normen und Vorstellungen von Ästhetik. Butoh expandiert gern über die Grenzen des persönlichen Lebens, schöpft aus dem ewig Ungeborenen, wie aus dem schon lang Gestorbenen. Es ist schwierig Butoh-Tanz eindeutig zu definieren, weil Butoh nicht festgenagelt werden möchte. 

 Entstanden als Antwort auf Hiroshima und Nagasaki, gewachsen im Zeitgeist der Anti-Amerika-Bewegung, als eine Auflehnung gegen die entmenschlichten Zivilisationsformen des Atomzeitalters ist Butoh eine Rückbesinnung auf das wahre Sein des Menschen. Butoh-Tanz hat in seinen 50 Jahren, dem Wandel der Zeit entsprechend, äußerlich an Radikalität verloren, innerlich hat Butoh nie aufgehört seine Tentakeln auszustrecken und sich ständig tiefer in die Wurzeln der Weltenseele hinein zutasten. 

 Butoh-Tanz lässt nach wie vor tief blicken, auch wenn sich seine äußere Form, im ständigem Wandel bewegt und mit anderen Tanzformen verschmilzt. So ist Butoh-Tanz als Spurenelement heute in fast allen neueren europäischen Tanz- und Performancestilen wieder zu finden. Butoh tanzen bedeutet zunächst unausweichliche Ehrlichkeit mit sich selbst. Nur wenn der Tänzer sich selbst erreicht, wird er den Zuschauer erreichen können! Er schmeißt sich mit seinem ganzen Wesen in das zu porträtierende Thema. 

Der Butoh-Tänzer stellt sich nicht auf die Bühne und sagt "Schau mal was ich kann!" sondern er öffnet die Fenster seiner Seele und sagt: "Willkommen in der inneren Wirklichkeit!" Wenn der Zuschauer wirklich bereit ist zu schauen, bereit durch den materiellen Körper des Tänzers hindurch zu blicken, wird er nicht nur einen Blick in die Tänzerseele werfen, viel mehr wird er sich selbst begegnen, seiner eigenen Seele gewahr werden, mit ihren Gründen und Abgründen, mit ihrer persönlichen Poesie und ihren eigenen Stolpersteinen. Butoh-Tanz kann uns in unserem innersten Wesen berühren. Wenn das geschieht, entsteht ein tiefes Erkennen der inneren Wirklichkeit.

Markus Maria Winkler, Schauspieler | info@markusmariawinkler.de / 089-26 01 90 01   0163 20 98 26 1